Gotthard-Kapelle Reichersdorf  
 

Geschichte


Der Heilige Gotthard - der erste Heilige Altbayerns

Der hl. Gotthard wurde um 960 in Reichersdorf geboren. Er war der Sohn des Bauernmannes Ratmund, der Probst (andere Quellen Dienstmann) des Klosters Niederaltaich war.

Der junge Gotthard besuchte in Niederalteich die Klosterschule. Durch seine ausgezeichnete Begabung und großen Eifer konnte er bald die höhere Schule besuchen und wurde dann von den beiden Priestern Udalgis und Rumbold in die höheren Wissenschaften eingeführt. Als Erzbischof Friedrich von Salzburg einmal Niederalteich besuchte, wurde ihm Gotthard vorgestellt. Friedrich nahm den begabten Schüler mit nach Salzburg. Hier bildete er sich an der Domschule weiter und setzte später seine Ausbildung in Passau fort.

Im Alter von 25 Jahren kehrte er nach Niederalteich zurück und Probst des Kanonikerstiftes. Am 21. Dezember 991 legte Gotthard die benediktinischen Ordensgelübde ab. Er zog das Novizengewand des hl. Benedikt an und wurde Mönch vom Scheitel bis zur Sohle.

Zwei Jahre später wurde er zum Priester geweiht. Ende Dezember 996 wurde er der 15. Abt von Niederalteich.

Schon bald nach seiner Wahl entfaltete er auf allen Gebieten eine fruchtbare Tätigkeit. Gotthard selbst rodete mit einigen Mönchen den Helmgeres-Berg (Frauenberg), erbaute hier eine Kirche und Burg und siedelte die damals in Niederalteich ansässigen Kanoniker (Chorherren) an. Er wurde somit zum Begründer von Hengersberg.

Weil nun in Altaich wieder ein geordnetes klösterliches Leben herrschte, auch die Anzahl der Mönche stieg schnell an, konnte sich die Abtei nach außen hin wieder entfalten. Verloren gegangene Besitzungen wurden wieder erworben. (Flintsbach mit seinen Kalk und Sandgruben, Güter in der Wachau)

Neue Besitzungen kamen hinzu als Schenkung des Herzogs (u. a. das Gebiet zwischen Winzer und Hofkirchen)

Nicht zuletzt zeugt vom Aufschwung des Klosters die wieder aufgenommene Rodungstätigkeit im bayerischen Wald; Lalling, Kirchdorf im Wald, später unter Gunther Rinchnach und Regen, dürften in dieser zweiten Altaicher Rodungsphase gegründet worden sein.

Die strenge Befolgung der Benediktinerregel, die feierliche Gestaltung der Liturgie und die Stärkung der Wirtschaftskraft waren sein Ziel.

Unter Abt Gotthard wurde das Kloster Niederalteich zu einem Ausstrahlungspunkt der klösterlichen Reformen.

Auf höheren Befehl übernahm er, die Abtwürde beibehaltend, die Leitung der Abteien in Kremsmünster, Tegernsee und Hersfeld, um die verfallene Klosterzucht wieder herzustellen.

"Sieben Jahre wirkte Gotthard in Hersfeld und unter seiner tatkräftigen Leitung veränderte auch diese Abtei allmählich ihr Gesicht - im Sinne der Klosterreformen; anstelle eines verweltlichten Lebensstiles regte sich wieder benediktinischer Geist, auch gegen viele Widerstände, und dieser innere Aufschwung ermöglichte wiederum die äußere Konsolidierung. Die wirtschaftlichen Verhältnisse besserten sich, die Gebäude wurden hergerichtet und Gotthard konnte sogar eine Klosterschule gründen."

Im Jahr 1022 wurde er zum Bischof von Hildesheim als Nachfolger Bernwards geweiht. (Berufen von Kaiser Heinrich II., dem Heiligen). Klerus und Volk leitete er als Oberhirte wachsam und sorgfältig.

Sein erhaltener Bischofsstab hat uns sein Programm überliefert:

"Sterne resistentes stürze die Trotzigen

Stantes rege regiere die aufrecht Stehenden

Tolle jacentes" hebe die Zusammengebrochenen wieder auf

Im Bistum Hildesheim wirkte er noch 15 Jahre und ließ über 30 Kirchen sowie zahlreiche Klöster und Spitäler errichten. Am 5. Mai 1038 starb er nach einem erfüllten Leben und wurde in der Domkrypta zu Hildesheim bestattet.

Die Verehrung des Bischofs Gotthard setzte sehr bald nach seinem Tod ein. Eine Reihe von Wunderberichten sind überliefert, die Heilungen und andere Gebetserhörungen zum Inhalt haben.

Im Jahre 1131(29. Oktober 1131) wurde er auf der Synode von Reims von Papst Innozenz II. heiliggesprochen. Er hatte zwei bedeutsame Fürsprecher, die wie er in die Kirchengeschichte eingingen: Norbert von Xanten, ehemaliger Hildesheimer Domschüler und Gründer des Prämonstratenserordens, und Bernhard von Clairvaux, der großen Zisterzienser.

Somit ist Gotthard der erste "Altbayer", der von einem Papst heiliggesprochen wurde.




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